Figaro ist nicht nur der Barbier, sondern auch Lebensberater, Verkuppler und Informationszentrale von Sevilla. So stellt er sich uns jedenfalls vor, doch was wir in Rossinis Oper erleben, lässt an der Selbstcharakterisierung zweifeln: Seine Strategien, wie der verliebte Graf Almaviva mit der von ihrem Vormund eifersüchtig bewachten Rosina in Kontakt treten kann, scheitern schon im Ansatz — und wenn Figaro sich selbst einschaltet, wird die Sache nur schlimmer. Gute Voraussetzung für eine turbulente Komödie, die Regisseurin Nicola Hümpel durch zwei Live-Kameras potenziert: Die Inszenierung zeigt uns eine Gruppe von Egoisten, die sich gegenseitig zu manipulieren versuchen. In dem Ansinnen, sich selbst stets im besten Licht dastehen zu lassen, konkurrieren sie um die günstigsten Plätze vor den Kameras, die gnadenlos jedes entgleiste Minenspiel und jede versteckte Verkrampfung vergrößern.
Was die Regie mit dem optischen Fokus macht, macht Gioachino Rossinis Musik mit der Zeit: Sie fokussiert mal auf den Moment eines Wimpernschlags und mal auf eine lange Zeitspanne. Aus einer seelischen Krise wird ein handliches Kurzgewitter, aus einer Schrecksekunde eine ausgedehnte Katastrophe. Diese Musik nicht zu mögen: riskant!
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