"Ein Volk auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit."
Deutschland in den Nachkriegsjahren: Ein „entnazifiziertes“ Volk mühte sich, das zu vergessen, was es verschwieg: seine Bereitschaft zur Teilnahme an einem System der Barbarei. Im kollektiven Verdrängen und Vergessen verlor sich der Schrecken und die Einzigartigkeit, den der Zivilisationsbruch des Holocaust und die Vernichtungskriege bedeuteten. Der nationalsozialistische Wahn wurde zur austauschbaren Metapher des Bösen, persönliche Schuld wurde relativiert. So verschwanden all die Gleichgültigen, Mitmacher und Helfer aus dem geschichtlichen Blickfeld – und damit auch aus der Mit-Haftung und Mit-Verantwortung an einem verbrecherischen Herrschaftssystem. Ein Volk auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit. Helmut Ortners Essays und Reportagen sind ein Plädoyer gegen jede Verharmlosung und Relativierung der NS-Vergangenheit. Denn es gibt eine Verpflichtung: die des Erinnerns. In einer Zeit, in der rechte Populisten und die AfD die Erinnerungskultur beenden möchten, wendet sich Helmut Ortner gegen eine Entsorgung der NS-Zeit. Es geht um die Gegenwart der Vergangenheit, denn die nationalsozialistische Vergangenheit verjährt nicht.
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