Am 14. Juni 2026 lädt die Kunstmesse AiD ART M in Mannheim zu einem Symposium über Kunst als Erkenntnispraxis, kybernetisches Denken, Kosmologie und gesellschaftliche Orientierung ein.
Welche Rolle kann Kunst in einer Gegenwart spielen, die von komplexen Systemen, wissenschaftlichem Fortschritt, technologischen Umbrüchen und gesellschaftlicher Unsicherheit geprägt ist? Dieser Frage widmet sich am Sonntag, 14. Juni 2026, das Symposium „Art meets Science“ im Rahmen der Kunstmesse AiD ART M 2026. Die Veranstaltung findet im Raum S4,17 Mannheim im Quadrat S4 statt. Die Teilnahme ist kostenlos, ein Ticket ist erforderlich. ( https://aid-kb.org/tickets/ )
„Art meets Science“ ist seit 2010 ein zentrales Leitmotiv der Ateliers im Delta. Gemeint ist damit ein Kunstverständnis, das Ateliers nicht nur als Orte der Produktion begreift, sondern als offene Räume des Austauschs zwischen künstlerischer Praxis, Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft. Mit dem Symposium beginnt 2026 eine geförderte Veranstaltungsreihe, die diesen Dialog systematisch vertiefen und neue Formen transdisziplinärer Zusammenarbeit ermöglichen soll.
Im Zentrum steht ein kybernetischer Ansatz: Die Welt wird als Gefüge aus Beziehungen, Rückkopplungen und Lernprozessen verstanden. Kunst erscheint dabei nicht als bloße Illustration wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern als eigenständiges Medium der Wahrnehmung, Modellbildung und Reflexion. Sie kann sichtbar machen, wie Ordnung entsteht, wie Systeme sich verändern und wie Menschen sich in komplexen Wirklichkeiten orientieren.
Ein Schlüsselbegriff des Symposiums sind die „Architekturen fünfter Ordnung“. Sie beschreiben dynamische Systeme, die nicht linear funktionieren, sondern sich durch Erfahrung, Rückmeldung, Bewertung, Transformation und Gestaltung weiterentwickeln. Für „Art meets Science“ wird dieses Modell sowohl als künstlerisches Werkzeug als auch als Vermittlungsform genutzt: Es soll helfen, komplexe Zusammenhänge auch Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund zugänglich zu machen.
Das Symposium gliedert sich in mehrere Themenfelder. Den Auftakt bildet „Die Architektur der 10000 Dinge des Dao“: eine Einführung in Ordnungen, Weltbilder und das Verhältnis von Chaos und Struktur. Daran schließt der Themenblock „Kosmologie & Ordnung“ an, in dem Schöpfungsmythen, moderne Kosmologie und künstlerische Weltdeutung aufeinander bezogen werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kunst zwischen Wissen, Vorstellung und Wirklichkeit Erfahrungsräume öffnen kann.
Der Abschnitt „Interdisziplinäre Praxis“ widmet sich den Übergängen zwischen Kunst, Naturwissenschaften, Technik, Kybernetik und Forschung. Hier geht es nicht um die einfache Übersetzung wissenschaftlicher Modelle in Bilder, sondern um eine künstlerische Auseinandersetzung mit offenen Fragen: mit Unbestimmtheit, Wahrnehmung, Selbstorganisation, Rückkopplung und der Rolle des Beobachters in den Systemen, die er untersucht.
Unter dem Titel „Kunst als Erkenntnispraxis“ fragt das Symposium danach, wie Kunst eigene Methoden entwickelt, Wirklichkeit sichtbar, erfahrbar und reflektierbar zu machen. Historische Bezüge reichen von der Renaissance bis zur Medienkunst, Szenografie, Fotografie und zu experimentellen Formen ästhetischer Forschung. Kunst wird dabei als Verfahren verstanden, das Wahrnehmung organisiert, Realität befragt und neue Beziehungen zwischen Erfahrung, Wissen und Imagination eröffnet.
Der abschließende Block „Metakunst und Lebenskunst“ ist der Künstlerin und Philosophin Adrian Piper gewidmet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kunst zur Selbstbeobachtung, Selbstkritik und bewussten Lebenspraxis beitragen kann. Metakunst reflektiert dabei nicht nur Kunstwerke, sondern auch die Bedingungen ihrer Entstehung, Wahrnehmung und Bewertung. Lebenskunst erweitert diese Reflexion auf das eigene Denken, Handeln und Entscheiden.
Am Symposium beteiligt sind Künstlerinnen, Künstler und Forschende an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft, darunter Prof. Harald Fuchs, Prof. Dr. Gerhard Kilger, Dr. Paul Hirsch, Hannah S. Moser, Ralf Jochen Moser, Dieter Nusbaum, Dominik Schmitt und Rubica von Streng. Das Symposium richtet sich bewusst nicht nur an ein kunstnahes Publikum. Angesprochen sind Menschen aus Wissenschaft, Technik, Forschung, Bildung, Industrie und Stadtgesellschaft. Gerade in Mannheim, einer Region mit starken industriellen, technologischen und wissenschaftlichen Bezügen, versteht sich „Art meets Science“ als Einladung, Kunst als aktive Form des Denkens und als Beitrag zu Teilhabe, Bildung und demokratischer Kultur zu erleben.
Die gemeinnützige Kunstmesse AiD ART M 2026 wird gemeinsam von der Galerie Ateliers im Delta (Mannheim) und der Overhead Gallery (Münster) veranstaltet. Sie verbindet zeitgenössische Kunst mit Austausch, Förderung und gesellschaftlichem Engagement. Mit „Art meets Science“ öffnet sie einen Denk- und Erfahrungsraum, in dem Kunst, Wissenschaft und Lebenspraxis nicht getrennt voneinander erscheinen, sondern als unterschiedliche Zugänge zu einer gemeinsamen Frage: Wie können Menschen in einer komplexen Welt bewusster wahrnehmen, freier entscheiden und verantwortlicher handeln?
11:00 Uhr – Die Architektur der 10000 Dinge des DAO 11:20 Uhr – Kosmologie & Ordnung
13:00 Uhr – Mittagspause
14:00 Uhr – Interdisziplinäre Praxis
15:15 Uhr – Kunst als Erkenntnispraxis
16:30 Uhr – Metakunst und Lebenskunst, Adrian Piper gewidmet
Veranstalter: Ateliers im Delta, Mannheim, und Overhead Gallery, Münster Zeitraum: 7. Juni bis 4. Juli 2026
Eröffnung: Sonntag, 7. Juni 2026, 14 Uhr; geöffnet ab 13 Uhr
Ort: Raum S4,17 Mannheim im Quadrat S4, ehemalige Stadtgalerie, Adresse: S4, 17
Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 15–20 Uhr, Sonntag 11–18 Uhr Eintritt: frei (Ticket erforderlich)
Website: https://aid-kb.org/p-artm26
Website: https://aid-kb.org/p-art-meets-science/