Im Zentrum der Rauminstallation des Künstlers Benyamin Reich steht eine große Installation: der Talmudvorhang (hebräisch: »Parochet«). Während der Passionszeit verhüllt er den Altar von St. Matthäus. In seiner diskursiven Struktur laufen Bild und Text, Schrift und Bildlichkeit, ineinander – gleich einem Text, der in die Welt kommt und Fragen aufwirft. Das Gewebe aus talmudischen Texten, kabbalistischen Symbolen und Bildern des Künstlers erinnert dabei an den feingestickten Vorhang des Jerusalemer Tempels sowie die Vorhänge aller späteren Synagogen, die nach rabbinischem Verständnis auf einen metaphysischen Vorhang im Himmel zurückgehen. Zugleich erinnert er an christliche Fastentücher, die traditionell während der Passionszeit den Altar einer Kirche verhüllen und so den Kontakt zwischen Gott und Mensch temporär in Frage stellen – ein jüdisch-christlicher Dialog der Traditionen.
Die Ausstellung wird gefördert vom Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V. und der Ursula Lachnit-Fixon Stiftung.
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