Szenische Lesung mit Florian Lenz · Konzept I Idee | Textfassung: raum13 Kolacek & Leßle
Treffpunkt: Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste, Deutz-Mülheimer Str.147-149
Kostenbeitrag: 16 € / 8 € ermäßigt
Begrenzte Teilnehmerzahl, Voranmeldung empfohlen: info@raum13.com
„Ich saß am Schreibtisch, machte meine Sachen.” Adolf Eichmann
Das Projekt stützt sich auf drei Textquellen. Eichmanns Aussagen, die er während der Verhöre in israelischer Haft machte, werden den Interviews, die er in Argentinien dem ehemaligen SS-Mann Willem Sassen gab, gegenübergestellt. Eine dritte Textebene bilden seine vor der Hinrichtung verfassten Memoiren.
Eichmann wird heute zumeist als ‚Rädchen im Getriebe‘ gesehen, als Befehlsempfänger, höchstens noch als ‚Schreibtischmörder‘. Ein anderes Bild von Eichmann, das jahrzehntelang in der Öffentlichkeit grassierte, war das der psychopathischen Nazi-Bestie. Neuere Holocaustforschungen widerlegen diese Bilder. Eichmann war ein fanatischer Nationalsozialist, aber er war nicht von Anfang an ein Massenmörder. Die Entwicklung seiner Persönlichkeit war eng an die historischen und sozialen Gegebenheiten des Dritten Reichs geknüpft. In seine Rolle als ‚Manager des Todes‘ wuchs er langsam hinein, dabei verfolgte er mit großem Ehrgeiz seine eigene Karriere. Das Bild des Schreibtischtäters, der mit Zahlen und Statistiken jongliert und seinen Job so gut wie möglich erledigen will, findet sich auch in unserem heutigen Arbeits- und Leistungsverständnis wieder.
Eichmann war ein Handelsvertreter, der in jungen Jahren aus Überzeugung in die SS eintrat und sich ehrgeizig vom kleinen Sachbearbeiter zum Deportationsexperten hocharbeitete. Die Disposition zum Massenmörder ist niemandem in die Wiege gelegt. Das Projekt legt den Fokus auf die vielen kleinen Rahmenverschiebungen, die zu einem solchen Ergebnis führen. Am Beispiel Adolf Eichmann soll diese Entwicklung aufgezeigt werden.
Gestützt auf das vorliegende biographische Material werden dem Zuschauer anhand der Täterfigur die gesellschaftlichen sukzessiven Rahmenverschiebungen und die Anpassungsfähigkeit des Menschen an diese Bedingungen sichtbar gemacht. Dadurch soll das Bewusstsein jedes Einzelnen einerseits für gesellschaftliche Entwicklungen, andererseits für die persönliche Verantwortung an diesen Entwicklungen sensibilisiert werden. Der Holocaust war in seiner bürokratisch ablaufenden Vernichtung von Millionen Menschen und seinem Antisemitismus ein historisch einzigartiges Ereignis. Genozide finden jedoch nach wie vor statt. Im Umgang mit massenmörderischen Prozessen zeigt sich die gesellschaftliche Tendenz, die Täter als Bestien und Psychopathen zu bezeichnen. Nähere Untersuchungen jedoch zeigen, dass diese Morde hauptsächlich von ganz normalen Menschen verübt werden.
Uraufführung: 19. Mai 2007 // NS-Dokumentationszentrum Köln
Konzept I Idee: raum13 Kolacek & Leßle Inszenierung: Anja Kolacek, Bühne | Licht: Marc Leßle, Kostüm: Teresa Tober, Fotoinstallation: Karin Richert, mit: Heinrich Baumgartner
NOMINIERT FÜR DEN KURT-HACKENBERG PREIS FÜR POLITISCHES THEATER
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Preisinformation:
Um Anmeldung wird gebeten unter info@raum13.com Du zahlst vor Ort. 16/8 Euro.
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