Regie: Milo Harbich, 79 Min., Deutschland (Sowjetische Zone) 1946
Nur kurz nach dem Beginn der Dreharbeiten zum ersten sogenannten »Trümmerfilm«, »Die Mörder sind unter uns«, wurde schon im Mai 1946 die Produktion eines zweiten Streifens begonnen, der von der in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone soeben gegründeten DEFA ins Programm genommen wurde. »Freies Land« hat freilich einen ganz anderen Charakter. Zwar war auch Regisseur Milo Harbich (1900–1988) mit den in Hauptrollen agierenden Schauspielerinnen und Schauspielern noch kurz zuvor für die von NS-Propagandaminister Goebbels gesteuerte, jetzt zerschlagene UFA tätig gewesen, allerdings erhält der Film sein bis heute bemerkenswertes Kolorit dadurch, dass in ihm neben den »Film-Profis« auch zahlreiche Laiendarstellerinnen und -darsteller agieren. Viele Menschen auf der Leinwand sind also genauso »echt« wie die Trümmerlandschaft des gerade ein Jahr zuvor zu Ende gegangenen Krieges, die die Kulisse abgibt. Die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den verlorenen Gebieten im Osten »spielen« also nicht, es handelt sich um Menschen, deren reales Schicksal thematisiert wird – so wie auch die Bauern in dem brandenburgischen Dorf, in das die Flüchtlinge und Vertriebenen auf der Suche nach einer neuen Existenz gelangen, »echt« sind. »Freies Land« hat also neben seinen fiktiven Personen und Handlungssträngen auch dokumentarischen Charakter, stellt mithin eine ungewöhnliche Mischung dar. Die nunmehr unfreiwillig in einer »Dorfgemeinschaft« vereinten Menschen müssen sich mit der »Bodenreform«, also der massiven, von der sowjetischen Besatzungsmacht mit Hilfe der von dieser an die Macht gebrachten deutschen Kommunisten in Gang gesetzten Enteignung von agrarischen Großbetrieben, und deren Folgen, auseinandersetzen. Der Film, der am 18. Oktober 1946 in Berlin uraufgeführt wurde, hat so zwar eine propagandistische Note, lebt aber zugleich von der unmittelbaren Nachvollziehbarkeit des Zeitgeschehens, in dem er entstanden ist.
Weitere Termine:
07. September, 18.00 Uhr: »Irgendwo in Berlin« (D 1946)
02. November, 18.00 Uhr: »In jenen Tagen« (D 1946/47)
Wir zeigen – 80 Jahre danach – Filme, die 1946 in die deutschen Kinos kamen oder produziert wurden. Allen Vorführungen geht eine (film-)historische Einführung voraus, im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch über das Gesehene.
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